Themen

Altersvorsorge, Gesundheit, Wohnen – das sind nur einige der vielen gesellschaftspolitischen Themen, die für ältere Menschen von grosser Bedeutung sind. Wir ordnen die zentralen Themen und politischen Debatten rund um das Alter für Sie ein.

Menschen über 60 nehmen in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle ein – heute und in Zukunft. Entsprechend gut sollten die Rahmenbedingungen sein: am Arbeitsplatz, um bis zum Zeitpunkt der Pensionierung am Erwerbsleben teilnehmen zu können und auch nacher gesund und in der Gesellschaft integriert zu bleiben.

  • Verschiedene Pro Senectute Organisationen unterstützen ältere Arbeitnehmende in der Übergangsphase zwischen bezahlter Arbeit und nachberuflicher Zukunft mit Pensionierungskursen.
  • Die Fachstelle AvantAge bietet Seminare für Arbeitnehmende und Arbeitgebende zur Gestaltung des Berufslebens ab 50.
  • Menschen, die nicht über die Pensionierung hinaus berufstätig sein werden, aber dennoch aktiv bleiben wollen, bieten wir attraktive Möglichkeiten. Bei Pro Senectute engagieren sich rund 18’000 Personen freiwillig, indem sie für den Mahlzeitendienst fahren, ältere Menschen bei der Administration unterstützen oder diese regelmässig besuchen gehen und Primarschüler im Klassenzimmer begleiten. Mehr Informationen finden Interessierte im Dossier Freiwilligenarbeit.

Die überwiegende Mehrheit der Menschen im Pensionsalter lebt in den eigenen vier Wänden: 90 Prozent aller über 65-Jährigen leben zu Hause, selbst bei Hochaltrigen ab 85 sind es noch immer 57 Prozent. Für die Zukunft zeichnen sich zwei Trends ab: Demografiebedingt werden mehr ältere Menschen zuhause wohnen, und dies auch länger.

Das Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen (CDI-HSG) hat im Auftrag von Pro Senectute die Trends und Kosten in der ambulanten sowie stationären Betreuung und Pflege von Menschen im Alter 65 plus berechnet. Fazit: Die Kosten für die Betreuung und Pflege zu Hause steigen bis 2030 um 45 Prozent, jene im stationären Bereich um 28 Prozent.

Weniger Betreuung beansprucht als benötigt

Der Trend in Richtung ambulanter Betreuung bedeutet, dass mehr Personen zu Hause leben, die Einschränkungen haben. Das Problem liegt jedoch weniger in der Pflege zu Hause, als vielmehr in der Betreuung. Denn im Gegensatz zu Pflegeleistungen, die durch das Krankenversicherungsgesetz finanziell abgedeckt sind, gehen die Betreuungskosten fast vollständig zulasten der Seniorinnen und Senioren. Es ist daher davon auszugehen, dass nicht alle benötigten Leistungen in Anspruch genommen werden.

Länger zu Hause bleiben

Gemäss der Hochrechnungen unserer Studie zur Betreuung zu Hause haben mehr als 660'000 Personen über 62 Jahren in der Schweiz Bedarf an mindestens einer Betreuungsleistung, um zu Hause leben zu können. Das entspricht 44 Prozent aller über 63-Jährigen, die in der Schweiz leben. Für eine bedarfsgerechte Betreuung zu Hause werden am häufigsten die Leistungen für «Soziale Aktivität», «Sport ausser Haus», «Haushaltshilfe» und «Besuchs- und Begleitdienst» benötigt. Diese vier Betreuungsleistungen machen zusammen 60 Prozent aller Leistungen aus.

Mit der Studie «Erst agil – dann fragil» hat Pro Senectute zudem die Bedürfnisse, aber auch die Lücken bei der ambulanten Betreuung zu Hause ermittelt. Mehr Information zu den Service-Angeboten, die Pro Senectute bereits heute anbietet, finden Sie in unseren Dienstleistungen.

Politik hat Handlungsbedarf erkannt

Mit einer zielgerichteten und bedürfnisorientierten Betreuung zu Hause könnten viele ältere Menschen den Eintritt in ein kostspieliges Altersheim hinauszögern oder ganz darauf verzichten.

Derzeit erarbeitet das Bundesamt für Sozialversicherungen zuhanden des Bundesrats eine Vorlage zur Umsetzung der Motion «Ergänzungsleistungen für betreutes Wohnen». Der Vorstoss fordert, dass auch zu Hause lebenden älteren Menschen in knappen finanziellen Verhältnissen Ergänzungsleistungen zur Verfügung stehen sollen, um ihren Bedarf an Betreuung daheim sicherzustellen.

Pro Senectute erachtet neben der laufenden Reform der AHV auch diejenige der beruflichen Vorsorge als dringend, um die Finanzierung der Renten langfristig zu gewährleisten. Im vorliegenden Fall gilt insbesondere der Grundsatz, dass die berufliche Vorsorge zusammen mit der AHV die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise ermöglicht.

Die vorliegende Vorlage zielt darauf ab, das Rentenniveau trotz Senkung des Mindestumwandlungssatzes zu sichern. Hinsichtlich der Senkung des Mindestumwandlungssatzes, der Senkung des Koordinationsabzuges sowie der Anpassung der Altersgutschriftensätze geht der Vorschlag in die richtige Richtung. Pro Senectute lehnt hingegen die Finanzierung der als Ausgleichsmassnahme vorgesehenen Rentenzuschläge über zusätzliche Lohnprozente ab.

Die Digitalisierung eröffnet in vielen Lebensbereichen neue Möglichkeiten. Pro Senectute befähigt Seniorinnen und Senioren, neue Informationstechnologien zu nutzen. Mit Kursen und Informationen unterstützen wir die Offliner, damit sie nicht zu Verliererinnen und Verlieren der Digitalisierung werden und aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt werden. Gemäss der Studie «Digitale Senioren» ist das Interesse älterer Menschen an digitalen Entwicklungen gross.

Initiativen, die der digitalen Entwicklung zuwiderlaufen, sind für Pro Senectute jedoch nicht zielführend. Wir beobachten die digitalen Veränderungen genau und werden aktiv, wenn sie sich für Seniorinnen und Senioren als unzumutbar erweisen. Wir setzen uns dafür ein, dass älteren Menschen bei digitalen Veränderungen genügend Zeit und alternative Angebote für die Übergangsphase zur Verfügung stehen.

Die chronische Sorge über die Gesundheit von Angehörigen, das Fehlen von Auszeiten für sich selbst und die finanzielle Belastung können zu sozialer Isolation der betreuenden Angehörigen führen. Pro Senectute unterstützt deshalb Angehörige bedürftiger älterer Menschen mit einem breiten Angebot an Entlastungsdiensten, Tagesstätten, und Alltagsassistenzen und Coachings.

Im März 2021 haben die Schweizer Stimmbürgerinnen und -bürger das Bundesgesetz über elektronische Identifizierungsdienste (E-ID-Gesetz, BGEID) an der Urne abgelehnt. Die Frage nach der nationalen Einführung eines elektronischen Identitätsausweises steht mit einem überarbeiteten Vorentwurf des Bundesgesetzes über den elektronischen Identitätsnachweis und andere elektronische Nachweise wieder zur Debatte.

Pro Jahr werden in der Schweiz zwischen 15 und 20 Prozent der Menschen im Alter über 60 Jahren Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung. In einem Bericht zuhanden des Nationalrats werden erstmals die Risikofaktoren beschrieben. Dazu gehören Isolation, eine Überlastung des Umfelds, fehlende sozioökonomische Integration und/oder der Gesundheitszustand der betroffenen Personen. Diese Risikofaktoren könnten durch einfach zugängliche und erschwingliche Betreuungsangebote gemindert werden.

Pro Senectute Schweiz unterstützt den Gedanken des Vorstosses «Impulsprogramm zur Prävention von Gewalt im Alter mit Fokus auf Betreuung» (Motion Glanzmann-Hunkeler). Dieser schlägt ein Impulsprogramm zum Aufbau von Angeboten zur Betreuung sowie Angebote zur Entlastung von betreuenden Angehörigen vor. Besonders erfreulich: 78 Nationalrätinnen und Nationalräte aus allen Parteien unterstützten den Vorstoss.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber «Gewalt und Missbrauch im Alter».

Ein funktionierendes Gehör ist für die Mobilität und die soziale Teilhabe im Alter ein entscheidender Faktor, aber auch ein finanzieller Kraftakt. Infolge einer Motion im eidgenössischen Parlament bezahlt die AHV seit 2018 für zwei Hörgeräte 1’237,50 Franken und weiterhin 630 Franken für ein Hörgerät. Für eine Kostengutsprache der AHV benötigen Betroffene ein ärztliches Gutachten von einem Ohrenarzt. Pro Senectute stellt online und in den Beratungsstellen Informationsmaterialien zum Thema zur Verfügung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderten Zehntausende auf Arbeitssuche aus Südeuropa in die Schweiz ein. Die erste Einwanderergeneration hat das Pensionsalter längst erreicht und die damals fehlende Integrationspolitik macht sich zwischenzeitlich bemerkbar: Die Einwanderer der 1950er- und 1960er-Jahre haben als Spätfolge der schweren Arbeit in Tieflohnbereichen einen schlechteren Gesundheitszustand und tiefere Renten als gleichaltrige Schweizerinnen und Schweiz. Obschon diese Menschen Anspruch auf Ergänzungsleistungen hätten, beantragen sie diese Gelder aus verschiedenen Gründen nicht, sei es aus Scham, wegen Sprachschwierigkeiten oder mangelnden Kenntnissen des schweizerischen Sozialsystems.

Mehr Informationen zur Lebenssituation von älteren Migrantinnen und Migranten finden Sie im «Forum Alter & Migration».

Pro Senectute setzt sich seit ihrer Gründung für eine nachhaltig finanzierte Altersvorsorge ein, die ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben im Alter ermöglicht. Eine nachhaltige Sicherung der Sozialwerke bedingt einen verantwortungsbewussten Umgang mit den endlichen Ressourcen und eine solidarische Haltung zwischen den Generationen. Somit ist es für unsere Organisation zentral und selbstverständlich, dass fortlaufend die Rahmenbedingungen so angepasst werden, dass sie den heutigen und künftigen Generationen eine Zukunftsperspektive in einer intakten Umwelt geben.

Die Debatte um die organisierte Beihilfe zum Suizid ist Ausdruck eines sozialen Wandels. Für Pro Senectute ist der Grundsatz der Selbstbestimmung auch beim Sterben innerhalb des gesetzlich zulässigen Rahmens hochzuhalten.

Unser Positionspapier zum Alterssuizid beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten: Wir anerkennen das Recht von Suizidwilligen, ihr Leben – auch unter der Beihilfe anderer Personen – beenden zu wollen. Ebenso wichtig ist für uns aber die Frage, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen es braucht, damit Menschen gut altern und sterben können.

Die Teuerung treibt die Lebenshaltungs- und Wohnnebenkosten in die Höhe. Bereits jetzt gilt in der Schweiz jede fünfte Person im Pensionsalter als arm. Pro Senectute beobachtet die aktuelle Situation mit Sorge und hilft älteren Menschen in knappen finanziellen Verhältnissen, Lösungen zu finden. Die Politik hat infolge der Teuerung diverse Vorstösse gemacht, um die finanziellen Folgen für Menschen mit wenig Spielraum zu dämpfen.

  • Sozialversicherungen: Gemäss Artikel 33ter des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) passt der Bundesrat die AHV-/IV-Renten in der Regel alle zwei Jahre an. Eine Anpassung kann jedoch früher erfolgen, wenn der Landesindex der Konsumentenpreise innerhalb eines Jahres um mehr als vier Prozent gestiegen ist. In der Wintersession wurde die volle Anpassung der AHV- und IV-Renten per 1.1.2023 an die Teuerung von beiden Räten gutgeheissen.
  • Krankenkassenprämien: Nach vier Jahren der Stabilität werden die Krankenkassenprämien 2023 wieder steigen. Die mittlere Prämie wird 334,70 Franken betragen, was einem Anstieg um 6,6 Prozent im Vergleich zu 2022 entspricht. Für Beziehende von Ergänzungsleistungen (EL) sind Erhöhungen der Krankenkassenprämien gedeckt. Die EL übernehmen die tatsächliche Prämie, höchstens aber die kantonale beziehungsweise regionale Durchschnittsprämie. Der Anstieg der Gesundheitskosten trifft Menschen in knappen Verhältnissen ohne EL-Anspruch jedoch hart.
  • Mietnebenkosten: Die Folgen der steigenden Energiepreise werden für Mieterinnen und Mieter Mitte nächsten Jahres bei den Nebenkostenschlussabrechnungen zu spüren sein. Wir empfehlen, bereits jetzt die Nebenkosten im Mietvertrag anpassen zu lassen, sprich mit der Monatsmiete mehr Nebenkosten zu bezahlen. Das muss mit einer Anpassung des Mietvertrages seitens der jeweiligen Immobilienverwaltung geschehen. Dieses Vorgehen hilft einerseits, eine hohe Nachzahlungsrechnung zu vermeiden. Andererseits können Bezügerinnen und Bezüger von EL, die das regionale Mietzinsmaximum noch nicht ausschöpfen, so die höheren Nebenkosten mit den monatlichen Akontozahlungen über die EL abgelten.
ABC des Alters